Abstract bombo bombo Zug 

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1. Situationsanalyse

Voraussetzungen zur musikalischen Betätigung bringen grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen mit - Musikalität ist eine kultur- und schichtübergreifende Fähigkeit. Nicht alle Kinder und Jugendliche partizipieren aber gleichermassen an musikalischen Aktivitäten und Bildungsangeboten.
Während für Kinder und Jugendliche aus Mittel- und Oberschichten der Zugang zur Musik eine Selbstverständlichkeit ist, nehmen Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten, meist fremdkulturellen Familien das bildungskulturelle Angebot selten wahr.

Vorliegendes Projekt fragt nach dem Beitrag von musikalischen Aktivierungsprozessen bei Jugendlichen aus sozioökonomisch und/oder bildungsbezogen benachteiligten Schichten zum Erwerb von kulturellem Kapital und nach der Art der Hindernisse an den Bildungsschnittstellen Familie – Schule – Musikschule.

2. Ziele

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern HSLU wird ein Musikvermittlungsmodell für den Einstieg von Jugendlichen aus sozioökonomisch und/oder bildungsbezogen benachteiligten Schichten in die Musik entwickelt und zusammen mit Studierenden des Masterstudiengangs Musikpädagogik der Hochschule Luzern – Musik zwischen Herbst 2011 und Sommer 2012 in der Stadt Zug umgesetzt.

Das Praxisprojekt in Zug hat folgende Ziele:

1.Mit circa 12 bis 20 Jugendlichen der Oberstufe in Zug wird musiziert. Dabei steht (vorerst) nicht das Produzieren von fertigen Liedern oder das Erlernen eines Instrumentes im Vordergrund, sondern der unbeschwerte, offene Umgang mit Musik.

2.An ca. 30 Nachmittagen werden verschiedene Formen gemeinsamen Musizierens entdeckt, das Experiment und das Ausprobieren werden fokussiert.

3.Der Projektprozess wird mit einem blog (Internettagebuch mit Text, Bildern, Videos und Musik) öffentlich dokumentiert.

4.Das Erprobte und Gelernte wird am Schluss mit einem Tonträger und mit einem Konzert der Öffentlichkeit vorgestellt.

5.Die Erfahrungen im Projekt soll den Jugendlichen den anschliessende Zugang zur Musikschule erleichtern und in eine kontinuierliche musikalische Aktivität führen.

Durch die Begleitforschung durch die Hochschule Luzern Musik (Forschungsschwerpunkt Musikpädagogik) wird das Praxismodell evaluiert.

3. Zielgruppe

Sozioökonomisch benachteiligte Jugendliche der ersten bis dritten Oberstufe in Zug, die keine oder beschränkte Möglichkeiten haben, sich musikalisch auszudrücken.

Sekundär gelten auch ihre Eltern, musikinteressierte Personen, die sich in irgendeiner Form am Projekt beteiligen wollen sowie musikinteressierte Personen aus dem erweiterten Umfeld, die an den Resultaten des Projektes interessiert sind, als Zielgruppe.

4. Durchführung

Im Projekt bombo bombo soll den Jugendlichen mittels Workshops auf eine neue Art ein erster Zugang zum gemeinsamen Musizieren eröffnet werden. Dies erfolgt in entsprechenden Netzwerken.
Durch die enge Vernetzung mit Schulen, der Musikschule und soziokulturellen Institutionen wird das lokale Wissen der Jugendförderung zusammengeführt. In den Workshops wird mit musikinteressierten Jugendlichen eine neue Gruppe – eine Band - aufgebaut. Damit die Kontinuität der Teilnahme sichergestellt ist, wird mit den Eltern der am Programm interessierten Jugendlichen Kontakt aufgenommen und gepflegt.
Neben dem Verbessern der sozialen Kompetenzen, die durch die Teilnahme an den Workshops erreicht werden soll, wird auch musikalisches Wissen vermittelt und vertieft: Verschiedene professionelle Musiker/-innen werden für spezifische musikalische Aktivitäten beigezogen. Die Teilnehmer/innen erlernen so neue und vielfältige Möglichkeiten für Zugänge zur Musik.
Als Abschluss ist mit den Jugendlichen ein Auftritt geplant, bei dem sie das Erlernte der Öffentlichkeit vorstellen können. Ausserdem werden die Jugendlichen ihre Songs unter semiprofessionellen Voraussetzungen aufnehmen und in geeigneten Plattformen (mx3, soundcloud, myspace) veröffentlichen.

Das Musikvermittlungsmodell berücksichtigt die in der Situationsanalyse angenommenen Gründe für die unterdurchschnittliche Teilnahme am Musikschulunterricht durch Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten Schichten und versucht Hindernisse auszuräumen.

Diese Kombination von musikpädagogischen und soziokulturellen Methoden ist neuartig und wurde bisher nicht systematisch durchgeführt.

5. Organisation

Das Pilotprojekt bombo bombo versteht sich als Scharnier an den Schnittstellen zwischen Schule – Jugendarbeit – Musikschule.

Im Sinne eines Modellprojektes wird während der Durchführung eine geeignete Organisationsform erprobt, die für alle Beteiligten mit möglichst wenig administrativem Aufwand verbunden ist. Ein Verein scheint uns für eine effiziente Organisation die beste Form zu sein. Für erfolgreiche zukünftige Umsetzungen des optimierten Modells bombo bombo an anderen Orten werden die Erfahrungen mit der Vereinsform in vorliegendem Projekt wichtig sein.

Die lokalen Projektpartner, insbesondere die Musikschule Zug und das Jugend- und Kulturzentrum industrie45 Zug, stellen nach Möglichkeit verfügbare Ressourcen wie Arbeitsleistungen und Infrastruktur zur Verfügung.

6. Rahmenbedingungen

In einer ersten Phase finden ab Herbst 2011 12 – 14 Workshops statt. Diese werden am Samstag oder Sonntag Nachmittag durchgeführt.
Anschliessend wird als «Band» unter der Leitung von Studentinnen und Studenten der HSLU Musik regelmässig für einen Auftritt am «Rock the Docks» Open Air 2012 in Zug geprobt.

Das Projekt wird von der Stadt Zug, dem Kanton Zug und der Göhner Stiftung Zug unterstützt.